Du bist jenseits aller gedanklichen Vorstellungen

Frage:Kann ich dich über Integration fragen? Als ich letztes Jahr mit dir gesprochen habe, erzählte ich dir, dass die Empfindung meiner selbst 'hinter' mir war. Manchmal scheint es als ob ich zwei Arten von Erfahrungen habe, die voneinander abgesondert erscheinen. Meine Wahrnehmung ist, dass es da einen Bruch gibt, aber ich kann mich selbst sehr verwirren. Manche Dinge, in denen ich involviert bin, sprechen viel über einen Integrationsprozess. Gibt es einen Zeitpunkt, an dem du fühlst, dass du zuhause angekommen bist?

Mooji:Wenn ich zu dir auf der Grundlage sprechen würde, die davon ausgeht, dass etwas abgesondert oder getrennt ist, oder dass es so etwas wie einen Bruch gibt, dann könnten wir endlos über Integration sprechen. Aber du sagst, es gibt eine Empfindung eines Bruches. Das bezieht sich immer noch auf die Dinge, die wir letztes Mal diskutierten - die Empfindung von einem 'Dort', das mehr hinter dem 'Hier' ist - das sind bloße Gedanken. Du könntest vielleicht fragen, wer/was ist sich dieses Bruches bewusst? Wir denken, wir verstehen den Bruch, die Spaltung; aber wer/was nimmt ihn war?

F:Mein wirkliches Selbst. Mein natürliches Gewahrsein nehme ich an.

M:Gut. In deinem natürlichen Gewahrsein hat das Bewusstsein welche Form? Welche Form hast du als Bewusstsein? Wenn du Bewusstsein sagst, bist du dir deiner als etwas Messbares bewusst? Gibt es etwas Greifbares an dem Bewusstsein?

F:Es scheint sehr schnell in ein Objekt zusammenzuklappen.

M:Wer beobachtet dieses Zusammenklappen oder die Empfindung dieses Zusammenklappens? Klappt das, was beobachtet, zusammen?

F:Nein.

M:Verweile da. Im Bewusstseinsfeld erscheinen unzählige Empfindungen. Ein unerschöpfliches Erscheinen, Fließen dieses Gedankenverkehrs. Manchmal taucht ein Gedanke oder eine Empfindung auf, und du hast das Gefühl, du bist davon betroffen. Was wirklich geschieht, ist, dass die Energie dieses Gedankens oder dieses Gefühls bereits aufgebraucht ist, aber du ihm in der Erinnerung daran weiterhin Energie gibt, eben durch diese Erinnerung.

F:Im Moment ist es ein Gefühl extremer Müdigkeit, zuviel Empfindung. Ich kann nicht mehr aufnehmen.

M:Nimm es nicht auf. Wie nimmst du dieses Gefühl auf? Was schaut dabei raus?

F:Ich nehme an, das ist jemand, der etwas erlebt.

M:Wenn nichts dabei rausschaut, trägt es zu einem Nicht-Erleben bei?
Schließt das eine das andere aus? Hat das Erleben ein bestimmtes Ziel? Du beobachtest ganz einfach wie das Bewusstsein aktiv ist und seine ewige Formveränderung. Du denkst, du machst dir hier ein gemütliches Plätzchen, indem du sitzt und alles verschwinden lässt. Es gibt einen Platz, an dem du dich befinden musst, aber die Empfindung des 'Sich Befindens' ist in dir. Du nimmst das wahr. Wir neigen dazu, dieses etwas, das wir uns selbst nennen, Eigenschaften überzustülpen.

F:Ich identifiziere mich mit dem Gefühl, das hochkommt.

M:Du identifizierst dich damit. Das Gefühl kommt. Es wird wahrgenommen. Identifizierst du dich mit allen Gefühlen, die in dir entstehen?

F:Nein. Mit einigen starken Gefühlen identifiziere ich mich.

M:Manche Gefühle kommen und du erlebst sie sehr intensiv. Wir haben manchmal in der Kindheit den Eindruck angenommen, dass etwas mit uns geschieht und zwar aus folgendem Grund: Wenn das Bewusstsein einmal innerhalb dieser Form in der Empfindung 'Ich bin' Resonanz findet, dann stürmt dieses Gefühl schnell vorwärts und identifiziert sich mit dem Körper und leiht sich alle Körpereigenschaften aus und sagt: 'Das bin ich'. Ursprünglich ist dieses Bewusstsein nicht persönlich, aber es fühlt sich persönlich an, indem es empfindet: 'Ich bin diese bestimmte Form'. Es ist wie mit der Stromversorgung. Sie produziert Licht in der Lampe, in einem Kühlschrank, hält Dinge kalt, aber der Strom selbst ist keines dieser Dinge. Es wirkt durch verschiedene Dinge. Es erscheint, Dinge kalt oder hell oder was auch immer zu machen, aber der Strom kann nicht als kalt oder hell beschrieben werden. Als dieses Bewusstsein oder Wissen nimmst du ganz einfach nur wahr. Wenn jedoch das Gefühl 'Ich bin dieser Körper' sehr stark vorhanden ist, scheint das Erleben für das Bewusstsein sehr beeinträchtigend zu sein, was sich in verschiedenen Körpern, als Menschen, ausdrückt.
Die Intensität variiert je nachdem wie stark man an die Identifizierung 'Ich bin diese bestimmte Form' glaubt. Allmählich gerät diese Identifizierung unter großen Druck, den wir 'Leben' nennen; und zwar aus folgendem Grund: Sobald man sich mit einem bestimmten Körper identifiziert hat, macht sich das Bewusstsein daran, das Leben in dieser jeweiligen Ausdrucksform verewigen zu wollen; im Glauben diese Form zu sein. Es betrachtet jede Drohung, Verletzung etc. in bezug auf die Form, und das Hinscheiden der Form wird als ein Hinscheiden von sich selbst angesehen. Es erlebt Angst, Besorgnis, Unruhe und all diese Dinge, weil es annimmt, diese bestimmte Form zu sein. Als dieser bestimmte Körper, bekannt als Ego, fühlt es sich deutlich anders. Es leiht sich die einmaligen Eigenschaften eines bestimmten Körpers aus und betrachtet andere Körper als jemand anderen. Auf diese Weise gerät es in dieses Feld der Andersartigkeit und das Bewusstsein, welches ursprünglich rein und allumfassend ist, erfährt sich dadurch unabhängig und getrennt. Für eine Weile wird in diese Getrenntheit investiert und ist sogar stolz darauf, getrennt und unterschiedlich zu sein. Aber es kann dies nicht aufrechterhalten. Allmählich wird es von der Welt, von Umständen, frustrierten Träumen und Enttäuschungen herumgestoßen. Und dann verliert es seine Eitelkeit und Arroganz und wird fügsamer, aufnahmefähiger für spirituelle Wahrheiten. Du musst nicht wissen, dass das passiert, aber irgendwann sprießt es in deinem Bewusstsein; irgendwie als eine Affinität und eine Anziehung für manche Lehren oder gewisse Fragen entstehen ganz natürlich in dir. Du fragst dich dann, wie es dazu kam. Warum du? Du bist vielleicht hier und du hast eine Frau, Freunde, die dieses Interesse nicht mit dir teilen. Woher kommt dieses spezielle Interesse in dir?

F:Ich denke anfangs von meinem Verdruss.

M:Daher musst du für deinen Verdruss dankbar sein, wenn es dich dazu bringt, davon frei sein zu wollen.

F:Danke. Das ist eine sehr gute Beschreibung von dem, was geschieht. Es scheint eine Intensität erreicht zu haben, die ich nicht weiter ertragen kann oder will. Der Gedanke, der hochkommt, ist irgendwie das Selbst loszuwerden um die Gefühle zu stoppen - eine Art Sackgasse...

M:Werde nicht zu gut im Ausdrücken deiner Gefühle.

F:Ja, weil ich im Moment in Gruppentherapie involviert bin.

M:Es stattet dich mit dieser Art von Fertigkeit aus.

F:Ich wollte mich eigentlich davon entfernen, und der Kursveranstalter sagte, ich würde die Gruppe unterbrechen, wenn ich ginge.

M:Neigst du, zu überverantwortlich gegenüber anderen zu sein?

F:Nein, und ich hab mich gewundert, ob ich kalt war. Ich wäre es zu einem Zeitpunkt auch gewesen. Vielleicht bin ich von einem Extrem zum anderen gegangen.

M:Was ist es, das diese Extreme wahrnimmt? Du sprichst so einfach und natürlich davon. Etwas ist sich diesem Springen, diesem Zucken bewusst. Was ist bewusst? Kannst du widerlegen, dass es da etwas gibt, das nicht herumflattert, worin dieses Herumspringen beobachtet wird? Was musst du tun um zu sein, wo dieses Bewusstsein ist?

F:Völlig darin zu sein?

M:Was wird darin sein?

F:Es ist bereits dort ohne...

M:Kommt gerade etwas hoch, was dich bedrückt? Fass nichts Vergangenes an. Jetzt in diesem Augenblick.

F:In diesem Moment ist es klar. Es gibt Gefühle, aber es ist nun in Ordnung.

M:Wann wird das 'jetzt' zum 'dann'. Bleib im jetzt.

F:Das Jetzt bleibt unmittelbar und das Dann ist vorbei. Es ist beinahe gleichzeitig.

M:Nun, in diesem Augenblick, was bist du? Gerade jetzt. Wo ist irgendein Ding, gerade jetzt. Schweife nicht in die Vergangenheit.

F:Ich weiß es nicht.

M:Wie fühlt sich das Nicht-Wissen an?

F:Ziemlich gut.

M:Wie wirst du ab nun sein?

F:Die Aufmerksamkeit auf das jetzt richten.

M:Du bist dir der Aufmerksamkeit bewusst. Du bist nicht die Aufmerksamkeit. Wenn wir wirklich das hinterfragen, was wir gewöhnlich als uns selbst bezeichnen, dann sprechen wir über Aufmerksamkeit. Dir ist die Aufmerksamkeit bewusst. 'Ich komme und ich gehe' - etwas beobachtet die Empfindung eines Kommens und Gehens. Wenn ich dich frage, was das ist, - mit welcher Antwort auch immer dein Verstand hochkommt - das wird es nicht sein.

F:Ich denke, ich habe mich mit meiner Aufmerksamkeit identifiziert und dachte, das war das Bewusstsein.

M:Es erscheint viel stärker, wenn du glaubst, eine bestimmte Person zu sein. Es ist wichtig erfolgreich und glücklich zu sein, Geld zu machen etc. Aber das Gefühl deiner selbst als eine fixe Persönlichkeit - wenn du das hinterfragst - ist nur eine Vorstellung. Es ist wie mit dem Wetter. Wir sprechen über englisches Wetter, irisches Wetter; aber kannst du ein Wetter erzeugen? Wir sprechen darüber als ein Nomen, aber es ist eher eine Bewegung. Im Inneren deiner Bewusstseinslandschaft bewegen sich alle Wahrnehmungen gleich dem Wetter. Du bist mehr ein Verb als ein Nomen, aber du hältst dich als ein Nomen, du empfindest etwas Festes. Aber was diese Festigkeit ist, ist das Grundgefühl 'Ich bin'. Die fortbestehende, ununterbrochene Basis. Und ein bisschen von diesem Cocktail des grundlegenden Ich-Seins gemischt mit dem Gefühl 'Ich bin der Körper' - das erzeugt dieses Ding. Der Körper-Verstand empfindet 'Ich bin die Persönlichkeit, und ich bin konstant.' Es borgt sich die Beständigkeit und die Festigkeit des Ich-Seins und sagt: 'Das bin ich. Ich, die Persönlichkeit, bin diese Festigkeit'. Wenn du hinterfragst, ist es einfach eine Bewegung, eine Ansammlung aus Erinnerung und Konditionierung. Und alles zusammen erschöpft sich wie eine Art Software.

F:Es gibt hier einen riesigen Unterschied. Im Gegensatz zur Identifizierung mit dem Körper kommt es zu einer Identifizierung mit den Gefühlen.

M:Und wenn du dich mit gar nichts identifizierst?

F:Dann gibt es nur das 'Ich bin'. Aber es ist interessant, dass du 'Festigkeit' erwähnt hast, weil ich sie aufspüren würde...

M:Siehst du, ich habe dich gefragt, was übrig bleibt, wenn du dich nicht identifizierst, und du kamst zum grundlegenden 'Ich bin'. Und so schnell bist du wieder davon abgeschweift. Nur 'Ich bin' war eine Antwort, die du eher gabst als eins mit ihr zu sein. Es ist wirklich der Verstand, der die Antwort 'Ich bin' akzeptiert. Er sagt: Ja, ich weiß das, aber da ist keine Substanz dahinter. Er sucht immer noch nach seinem 'Fix'. Er sammelt das Gefühl 'Ich bin' als eine Art Antwort. Du wurdest nicht wirklich aufmerksam gemacht, das zu erkennen und damit eins zu sein, dass du bereits bist. Es gibt da einen 'athletischen Fußverstand': es ist ein Jucken um zu kratzen. Du kratzt und kratzt und es wird nicht besser, keine Befriedigung. Du brauchst nur diese Tendenz in dir erkennen und dann bleib in dieser Erkenntnis. Sei dir nur bewusst, dass alles einfach erscheint. Ganz einfach. Diese Neigungen werden auftauchen, solange es diesen Körper gibt. Aktivität ist kein Gegensatz zur Wahrheit. Lass es nur sein, und du kannst es beobachten. Wirke natürlich. Alles geschieht einfach von selbst. Sobald du jedoch die Position des eigenständigen Machers annimmst, gibt es Schwierigkeiten, und du nimmst unnötige Arbeit auf, wie z.B. Therapie und alle diese Sachen. Wenn du aber wirklich erfüllt, glücklich und frei sein willst, wirst du zu dieser grundlegenden Wahrheit zurückkommen. Du bist bereits frei, aber irgendwie liebkost deine Aufmerksamkeit die Vorstellung vom Andersein und deine Faszination, deine gedankliche Investierung, welche durch den Glauben 'Ich bin der Körper' entsteht, trägt zu einer Verschleierung deines natürlichen Seins bei. Es existiert die Neigung zu glauben, dass es da immer noch etwas gibt, das ausgearbeitet werden muss, dass noch mehr erreicht werden kann. Diese Vorstellung ermöglicht das Fortbestehen eines Zustandes des Leidens. Die Vorstellung des Leidens selbst ist eine sehr tiefe Einladung dem ganzen ein Ende zu setzen.

F:Hör auf zu suchen.

M:Beginne richtig zu suchen! Was auch immer hochkommt, spring nicht so schnell hinein. Es hat nur an Stärke gewonnen, da du es seit langem nährst - im Glauben daran, dass dadurch ein Vorteil entsteht. Gib dem Zeit. Versuche es nicht nur fünf Minuten lang.