Erleuchtung
Frage: Mooji, ist es möglich, Erleuchtung zu erreichen? Wurde jemals jemand im Satsang erleuchtet? Und wenn ja, könntest du mich wissen lassen wer? (Alle lachen).
Mooji:In Wirklichkeit ist es nicht möglich erleuchtet zu werden, da von Anfang an niemand da ist, der erleuchtet werden könnte. Diese standhafte Erkenntnis, dass es keinen 'Jemanden' gibt, der Erleuchtung erreichen kann, und dass es niemals ein Wesen zu irgendeinem Zeitpunkt geben wird, solch einen Zustand zu erreichen, das bedeutet Erleuchtung. Diese direkte Realisierung, diese überzeugende Wahrheit ereignet sich und wird bestätigt durch den Vorgang der Selbst-Hinterfragung. Diese Art von Selbst-Nachforschung, auch Atma-Vichara genannt, ist ein wirksames Mittel die Unwirklichkeit des 'Ich-Gedankens', des Egos, was gewöhnlich als unsere wirkliche Existenz betrachtet wird, zu entlarven. Was übrig bleibt ist das reine, unveränderte Selbst. Das ist die allerletzte Wahrheit.
Du fragst: Gibt es jemanden, der durch Satsangbesuche erleuchtet wurde? Das wurde bereits vorher angesprochen. Ich möchte hier jedoch noch hinzufügen, dass es ein konstantes Erkennen der Tatsache gibt, dass die Ego-Identität ein Mythos, ein fiktiver Charakter ist. Diese Individualität als solche ist ein Ausdruck des reinen Bewusstseins und nicht die tatsächliche Definition des Seins. Das reine Sein bleibt 'dahinter' als der Betrachter oder das Sehen aller Phänomene, die ganz spontan im Bewusstsein erscheinen. Dieses wahre Selbst ist eine form- und namenslose Gegenwart, welche ausschließlich als Friede, Freude und Glück - eine Empfindung liebevoller Zufriedenheit auftritt. Wenn dieses Erkennen innerhalb eines individuellen Punktes oder Ausdrucks des Bewusstseins, was wir eine Person bezeichnen, geschieht, dann wird dieser Zustand 'Erwachen' oder 'Erleuchtung' genannt.
Du fragst mich, ob ich dir so eine Person hier nennen kann? Im gewöhnlichen Sprachgebrauch würde ich sagen, dass eine Anzahl von Personen an diesem Punkt angekommen sind, wo es ein klares Sehen/Sein jenseits jegliches intellektuellen und akademischen Verstehens oder Akzeptierens gibt. Jedoch werden die mentalen Neigungen und Identifizierungen nicht sofort oder total zerstört, und die Ego-Empfindung, die sich als Sitz der Wirklichkeit ausgibt und durch das Hinterfragen als reine Illusion bloßgestellt wird, erscheint weiterhin. Das ist natürlich. Die Pflicht und Herausforderung ist hier den Sinn der Ich-Individualität, sobald er auftaucht, immer wieder zurück zum Herzen, zur Quelle zu führen. Und wenn man die Aufmerksamkeit dazu trainiert in der Quelle, unserem wahren Selbst, zu bleiben, verschmilzt es nach und nach darin und wird zur Quelle selbst.
Letztendlich - wer kann das 'Ich' sein, das behauptet 'Ich hab's' oder 'Ich bin eine erleuchtete Person'? Wer oder was kann der Besitzer der Erleuchtung sein? Ist es nicht das gleiche Ego?
Verstehst du, was ich meine? Einige Meister haben sich jedoch selbst tatsächlich als diese eine, reine und eigenschaftslose Wirklichkeit gesehen und haben auf diese Weise auch von diesem reinen, direkten und selbstlosen Wissen und dieser Überzeugung aus gesprochen. Meiner Ansicht nach hat das auch seine Richtigkeit und ist äußerst erfrischend, autoritativ und natürlich, um zu sehen, dass es einfach nicht möglich ist, dieses reine Selbst durch menschliche Standards oder Logik zu formen oder zu begrenzen.
F:Aber ich fühle mich als ein 'Jemand'. Ich kann mich nicht als ein 'Niemand' empfinden.
M:Du legst dieses 'Ich' und 'mich' als ein Objekt deiner Wahrnehmung aus. Wie kannst du ein Objekt sein? Ein Objekt muss ein wahrnehmendes Subjekt haben. Wenn das Subjekt auch wahrgenommen wird, wird es automatisch ein Objekt und muss wiederum ein tiefer wahrnehmendes Subjekt haben. Verstehst du das? Du kannst kein wahrgenommenes Objekt sein, du musst der Wahrnehmer/der Betrachter/ das Subjekt sein. Wer oder was bist du, das wahrnimmt? Deine Aussage 'ich empfinde mich als ein Jemand' beinhaltet drei Aspekte: Ich, meine Empfindung und denjenigen, für den du dich hältst. Dieser Jemand ist bloß eine Idee von dir, nicht dein wirkliches Selbst. Und deine Empfindungen sind bloße Gefühle, die diese Idee, die du von dir hast, betreffen. Schließlich gibt es dieses du, welches das Subjekt, der Betrachter dieser Beobachtung ist. Hab ich Recht?
F:Ja.
M:Wer oder was bist du genau?
F:Ich bin ich selbst.
M:Und was genau ist das?
F:Ich! Oder eher das Wissen von mir.
M:Also nicht der Körper?
F:Nein, ich weiß, dass ich nicht der Körper bin.
M:Wie weißt du, dass du nicht der Körper bist?
F:Ich kann meinen Körper sehen und ich weiß es ganz einfach , dass das nicht ich bin, obwohl es sich manchmal doch so anfühlt.
M:Gut. Können wir zur Frage zurückkommen, dass du das Wissen deiner selbst bist. Bist du dir sicher, dass es das Wissen deiner selbst ist und nicht bloß das Wissen der Vorstellung von dir oder deiner Persönlichkeit? Wie bist du zu diesem Verständnis gekommen? Wie kennst du dich selbst hier und jetzt?
F:Wenn ich beginne andere Dinge und Leute wahrzunehmen.
M:Ja, wie bringt dich das zu dir selbst?
F:Weil ich weiß, dass ich wahrnehme, dieses Ich muss da sein um wahrzunehmen.
M:Daher kann kein wahrgenommenes Objekt du sein, hab ich Recht?
F:Genau.
M:Genau. Sehr gut. Nun, wer oder was ist das genau, das wahrnimmt oder bemerkt?
F:Ich! Das!
M:Ist 'Ich' das gleiche wie 'das'?
F:Ja.
M:Und noch einmal - was ist das? Was ist seine Eigenschaft, seine Substanz? Was macht es genau dich? Eine Person? Als unterscheidende Form, eine sie oder ein er oder sie Mehrzahl?
F:Ja gut... nein... es ist vage. Ich kann es nicht ganz sehen..
M:Bleib gesammelt, schweife nicht ab, bleib in deiner Mitte und sieh. Was bist du hier? Kannst du es in diesem Sehen sagen?
F:Ich bin keine Person oder irgendetwas, aber ich weiß nicht was ich bin. Da ist nichts hier, ich kann das nicht beantworten. Es gibt ein Gefühl von nicht sehen wollen, einer Art Müdigkeit, Widerstand und Reizbarkeit.
M:Gut. Befasse dich nicht mit irgendwelchen Bewertungen, fass nichts an. Sei nur eins mit diesem Bemerken. Bleib hier ohne etwas zu versuchen.
(eine lange Pause)
Du scheinst verwirrt zu sein. Worüber bist du verwirrt?
F:Hier ist nur diese Leere.
M:Was beobachtet diese Leere?
(der Fragende sieht auf und lächelt, seine Augen auf Mooji fixiert)
M:Woher kommt dieses Lächeln?
(Stille...)
F:Ich weiß es nicht. Hier ist ein Gefühl von Erleichterung, Raum und Frieden, eine Art Leichtigkeit.
M:Eine Art?
F:Nein. Leichtigkeit, Raum und Friede.
M:Diese Leichtigkeit und dieser Friede scheinen wo es niemanden gibt. Das ist Friede. Das ist wirkliche Freude. Das ist wahre Liebe. Nun greif nur nicht danach. Besitze es nicht oder nimm es nicht in Anspruch. Verweile als Beobachter.
F:: Ja, ja (lächelt) ich kann sehen, dass ich hier nur der Beobachter bin. Danke, danke dir. (Sie klatscht in ihre Hände auf eine traditionelle, indische Art des Grußes und der Dankbarkeit).
M:Geh noch nicht gleich ...
(eine Weile vergeht)
Nun lass den Beobachter fallen.
F:Ich bin verwirrt.
M:Nein, du bist nicht verwirrt. Verwirrung wird beobachtet. Identifiziere dich nicht damit. Was bleibt übrig? Fass nichts an, nicht einmal den Beobachter, sei kein Beobacht-er. Beobachten ohne Beobacht-er, verstehst du?
F:Ja.
M:Wer versteht?
F:Niemand, nur verstehen.
M:Sehr gut. Ich bin glücklich dich getroffen zu haben. Nun - von diesem ortlosen Ort aus, in totaler Leere als totale Leere, jenseits aller Vorstellungen von Leere - bist du; ganz mühelos. Du bist das nicht geworden oder hast das nicht erreicht, da niemand hier ist etwas zu erreichen. Und was auch immer hier auftaucht sind bloße anscheinende Formen des Ich-Bewusstseins, die wahrgenommen werden.
F:Danke.
M:Gerne.
OM










