Einfach nur das
Fragende: Manche Lehrer sagen, dass man nichts machen kann um erleuchtet oder erwacht zu werden, dass es keine Wahl gibt und niemand da ist, der eine Wahl macht. Ist das wahr?
Mooji: Wenn du das hörst, wie reagierst du darauf?
F: Mit gemischten Gefühlen. Einerseits fühlt es sich tief befreiend an, einfach natürlich und andererseits folgen Frustration und Wut. Ehrlich gesagt habe ich mich bei dem Gedanken, keinen freien Willen zu haben, ziemlich gereizt und unterdrückt gefühlt. Es war sehr seltsam.
M: Welche von diesen zwei Reaktionen verblieb als die stärkste in dir?
F: Also, wie ich zuvor sagte, war anfangs das Gefühl von Freiheit stark da, es war auch schön, ausgedehnt, jedoch kurzlebig, während Frustration, Zweifel und Verwirrung sich länger hinauszogen.
M: Und die Gefühle haben dich wieder zum Satsang gebracht, stimmt das?
F: Man könnte das so sagen. Tatsächlich fühle ich nicht, dass ich irgendeine Entscheidung machte hierher zu kommen. Ich wurde mehr oder weniger durch eine Kraft hergezogen. Wenn ich hier bei dir bin, fühlt sich alles in Ordnung an. Das Problem beginnt, wenn ich draußen in der Welt bin. Dann zweifle ich an mir. Ich fühle mich schwach, nicht zentriert, und es fehlt mir an dieser Überzeugung, die ich jetzt habe. Ich brauche Hilfe.
M: Danke dir. 'Ich brauche jetzt Hilfe' ist eine wichtige Aussage hier. Es ist weise Hilfe zu suchen, solange du nicht jenseits des Bedarfs an Hilfe gehst. Nicht die Arroganz, die behauptet: Es gibt niemanden hier, dem geholfen werden kann, kein ich, kein du. Niemand existiert, nur das, was ist - das ist wahr, wenn es aus dem Mund eines Weisen kommt, es ist jedoch völlig falsch, wenn es vom Ego-Verstand, der durch den Intellekt wirkt und sich als eine Art spiritueller Held hinstellt, geäußert wird. Dieses Verstehen kann dem egozentrierten Verstand nicht eingeimpft werden, da wahres Verstehen das Sucher-Ego auflöst. Es bleibt niemand übrig, der behaupten könnte, Freiheit errungen zu haben. Allein die eine Einheit existiert, die sich durch und als Bewusstsein manifestiert und sich als das kosmische Spiel ausdrückt. Es ist das Bewusstsein selbst, das sich als den demütigen Suchenden ausdrückt, der letztendlich durch Gnade höchstes Verstehen erreicht und sich folglich selbst als das Unpersönliche Bewusstsein/Sein erkennt. Deine Suche nach Hilfe öffnet das Schleusentor der Gnade, das sich in Form eines 'Lehrers' manifestiert und eine Reflektion deines wahren Selbst ist und dessen Autorität und Gegenwart dir hilft, den nach außengerichteten Verstand zur Herzquelle zurückzubringen. Das Resultat ist vollendetes Verstehen. Diese Gnade kommt von deinem eigenen Selbst und ist dein Selbst. Du hast vielleicht das Sprichtwort gehört: Wir wurden von uns selbst/von unserem eigenen Herzen gerufen; und doch findet all das als ein bloßes Spiel im Bewusstsein statt. Das Absolute, das wahre Sein, der Sat-Guru in dir zieht daraus keinen Nutzen und macht keinen Wandel durch. Es bleibt die unveränderliche Grundlage oder der unwandelbare Hintergrund. Das ist die Wahrheit.
F: Duch dieses 'Erinnertwerden' ist wieder Freude hier. Vielleicht ist das die Zugkraft vom Satsang. Aber ich muss sagen, ich bin immer noch ein bisschen verwirrt über...
M: Nein! Halte genau hier inne. Das, was 'du' wirklich bist, kann in Wirklickeit nicht verwirrt werden. Verwirrung ist ein Geisteszustand. Wäre es nicht richtiger zu sagen, dass du bemerkst, dass Verwirrung im Bewusstsein hochsteigt? Und dass beide, nämlich Verwirrung und Erleichterung von dir wahrgenommen werden, inklusive deren Auswirkungen auf den Körper und die folgenden Gedanken und Urteile, die diese Gefühle begleiten ; dass das Zustände sind, welche kommen und gehen - in der Gegenwart von einer Art Hintergrund-Feld einer unpersönlichen Intelligenz oder eines natürlichen Wahrnehmens?
F: Ja. Mit dieser Betrachtungsweise erscheint es distanzierter. Es fühlt sich losgelöster und irgendwie weiträumiger an.
M: Lass uns zu deiner ursprünglichen Frage zurückkehren.
F: Ja, aber ich würde gern mehr darüber noch sprechen.
M: Gut, gut. Wir werden zurückkehren, wenn nötig. In der Aussage 'Es gibt nichts oder niemanden, der 'Erleuchtung' oder 'Erwachen' erreichen kann' wer oder was ist es, das dies hört? Und wer oder was ist das 'du' in der Aussage?
F: Ich selbst. Was ich bin!
M: Und was ist das? (Pause...) Du hattest gerade 'Denker-Augen'. Denk nicht nach! Beobachte nur!
F: Mein Verstand. Meine Individualität. Meine Empfindung von mir selbst, nehme ich an. Mein Intellekt?
M: Muss nicht irgendwas dahinter sein um den Verstand und den Intellekt zu sehen? Von woher kommen genau diese Aussagen und was bleibt unbeeinträchtigt, unberührt von der Tätigkeit des Verstandes, des Intellekts? Sind das nicht Phänomene, die beobachtet werden? Kannst du das bestätigen?
F: Ja, (mit einem langsamen Nicken) ich kann das bestätigen.
M: Lass alle beobachtbaren Phänomene, die hochkommen, beseite und bringe deine Aufmerksamkeit zum Beobachten selbst. Was ist genau das, was beobachtet? Ist es eine Person, ein Ding? Hat es eine Form, Eigenschaften oder Qualitäten? Ist es persönlich?
F: Nein. Niemand ist da. Nichts.
M: Bist du das?
F: Ja. Nein. Ich muss sein. Ich bin darin.
M: Was sieht oder weiß das?
F: Ich weiß es nicht. Ich weiß es nur, aber ich weiß nicht, wie ich es weiß. Ich bin hier nichts Exaktes. Ich meine ohne Form. Hier kommt dieses Gefühl wieder. Das ist, was ich fühlte, was ich letztes Mal erfahren habe.
M: Halte nicht an diesem Gefühl fest, lass es sein. Geh nicht in die Vergangenheit, bleib dahinter. Identifiziere dich nicht, fass nichts an. Beobachte nur, aber bleib neutral, damit nur das Bemerken übrigbleibt, wenn dieser glückliche Zustand abflaut. Du kannst das nicht 'haben' oder 'werden'. Kein Besitzen, keine Errungenschaft, nur Gedanken und Eindrücke tauchen im Bewusstsein spontan auf und werden wahrgenommen. Verstehst du?
F: Aber ich will nicht, dass es vergeht. Warum wegschieben? Ich will immer darin bleiben. Ist das nicht der Sinn davon?
M: Das ist genau, was du tun musst. Wenn es vorher nicht da war, war es nicht dauerhaft, es gehört dann zum Vergänglichen. Es wird vergehen. Lass es kommen und gehen, das ist natürlich und das ist Freiheit selbst. Erkenne dass 'Ich will es nicht wegschieben' auch ein Gedanke ist, das von etwas bemerkt wird, das jenseits von Kommen und Gehen ist. Sei eins damit. Lauf nichts anderem hinterher, bleib neutral, nur als Bewusstsein. Das ist alles. Was kann das Bewusstsein wollen? Was mangelt es? Was gibt es zu behalten oder zu verlieren?
F: In meinem Kopf herrscht völlige Leere. Entschuldige, könntest du das wiederholen?
M: Was sieht diese Leere?
F: (Pause...) Ich bin wieder hier!
M: Und noch einmal, wer oder was bist du hier?
F: Nur das. Es gibt keine Worte um dies auszudrücken oder zu beschreiben. Nichts. Leere.
M: Gibt es eine Art Traurigkeit hier?
F: Nein.
M: Glücklich?
F: Nein.
M: Frei ?
F: Nein. Ich würde nicht einmal das Wort 'frei' verwenden. Keine Worte...
M: Aha! Sehr gut! Gut gemacht! Das ist es! Das ist alles, du hast es geschafft! Ausgezeichnet! Die Aufgabe ist vorbei. Nun steig aus 'dem' heraus und kehr zu deinem früheren Zustand zurück, damit wir mit deinen wichtigen Fragen weitermachen können.
F: Mmm... Das ist unmöglich! Das macht keinen Sinn mehr. Steig raus und geh wohin?
M: Hierher!
F: Es gibt nicht einmal ein 'hier'.
M: Wirklich? Und was ist mit 'Jetzt'?
F: 'Jetzt' auch nicht (lange Pause...). Ich sehe jetzt klar, dass das nur Vorstellungen sind. Es gibt keinen Zweifel daran, das Unbeschreibliche ist dahinter.
M: Das allein ist Freiheit, jenseits jeglicher Vorstellung von Freiheit. Der natürliche Zustand des wahren Selbst eines jeden.
(Der Fragende scheint in einen meditativen Zustand geglitten zu sein, sein Gesicht regungslos, aber friedlich..., Mooji lacht in sich hinein...)
M: Ich wollte eigentlich darüber sprechen, was passiert, wenn diese Erfahrung von 'Erleuchtung' abklingt. Aber nun ist das ja unmöglich mit ihm zu diskutieren, während er in Samadhi ist. (Gelächter)
Ein anderer Fragender: Ich habe auch diesen Zustand erfahren, in dem er gerade zu sein scheint, diese Art von Nicht-Erfahrung, welche etwa drei oder vier Wochen andauerte. Ich fühlte mich total leer, klar, gegenwärtig und eins mit allem was war. Alles geschah einfach von selbst. Es war wirklich unbeschreibbar und wunderschön, aber nach einer Weile kam mein Verstand zurück; in meinem Fall sogar stärker als zuvor. Tatsache ist, dass ich in eine Art schwere Depression geriet und mich einige Zeit lang verloren fühlte. Ich habe Angst diese Erfahrung zu wiederholen.
M: Welche Erfahrung?
F: Diese verrückte Erfahrung.
(Gelächter)
M: Das wahre Selbst ist der unveränderliche Hintergrund, der veränderlichen Welt der Phänomene zugrundeliegend. Es ist ausschließlich unpersönliches Bewusstsein; unwandelbar und glücklich. Im erfahrenen Zustand erscheint es als die reine, subjektive Bewusstseinsempfindung “Ich bin”. Dieses “Ich bin” ist unpersönlich und synonym mit Bewusstsein, mit dem Wahrnehmungsfeld. Es ist der direkte Ausdruck reiner Subjektivität. Sri Niargadatta Maharaj,der große Weise, vergleicht es mit einer Tür, welche auf der einen Seite in die Manifestation und auf der anderen Seite in die Unendlichkeit schwingt. Das drückt es wunderschön aus. Alle Vorgänge ereignen sich als Bewegungen im Bewusstsein und werden in der und durch die bewusste Gegenwart “Ich bin” erkannt. Das ist der Beobachter oder das Beobachtungsprinzip, das wir sind, während der Körper hier ist.
F: Sind wir nun der Körper oder sind wir im Körper oder etwas Getrenntes? Weil...
(Der Fragende beginnt Erfahrungen und Beobachtungen zurückzuholen...)
M: Lass all das für einen Moment beiseite. Bleib einfach offen und erlaube deinem Bewusstsein zu hören, was gesagt wurde ohne irgendeinen bestimmten Gedanken oder eine Vorstellung wie “Was tun mit dem, was gehört wurde?” aufzunehmen. Lass das Hören einfach geschehen. Du bist hinter dem Verstand, der alles hört. Sieh den Ich-Gedanken an, es ist nicht das wahre “Ich bin”. Dieser kommt, wenn das unpersönliche “Ich bin” sich mit dem Körper identifiziert, welcher bloß das Instrument ist, durch den sich die Lebenskraft der belebenden Stärke ausdrückt. Diese Verbindung ermöglicht das Entstehen des Egos, der Individualität, der Ich-Empfindung. So kannst du sehen, dass die Empfindung der Individualität nicht ohne das unterstützende, unpersönliche Bewusstsein existieren kann, und dass es selbst der veränderliche Ausdruck dieses kreativen Bewusstseins ist. Erst jetzt ist es als konditioniertes Bewusstsein tätig, welches denkt, der Körper-Verstand zu sein. Nun entsteht das Gefühl von Andersartigkeit und der grundlegende Drang sich zu schützen. Vorlieben und Abneigungen entstehen und werden mit Urteilen, Angst, Wünschen, Verhaftungen und dem gesamten Spiel der in Wechselbeziehung stehenden Gegensätzen begleitet Wir, als individuelle Wesen, sind fasziniert und süchtig nach Erfahrungen, und das ist natürlich. Es ist auch nichts daran verkehrt, solange es als Ausdrucksspiel des offenbaren Bewusstseins, das wir sind, gesehen wird. Wenn es jedoch von der Perspektive der individuellen Identität mit deren privaten Absichten gesehen wird, dann beginnen die Schwierigkeiten! (Gelächter)
Nun hört gut zu. Es gibt hier nichts besonderes zu tun und auch niemanden, der etwas macht oder wieder rückgängig macht. Nur eine Veränderung im Verstehen muss geschehen und alles andere wird sich ergeben. Es ist alles EINS. Lass uns das Beispiel einer Autoantenne hernehmen. Es ist eine Einheit und diese repräsentiert das Absolute. Sobald einmal angezogen wird, erscheint das unpersönliche “Ich bin”. Es ist immer noch eine Einheit. Zieh noch einmal an und der Ich-Gedanke oder die Individualität sprießt hervor, und die personalisierte Weltmanifestation kommt ins Spiel – wie die russischen Puppen; eine in der anderen, nacheinander und doch ein Ganzes! Eine Einheit drückt sich als offenbar und nicht offenbar aus; zwei Aspekte der einen Wirklichkeit. So funktioniert das Spiel im Theater des Bewusstseins. Du bist der letztendliche Betrachter; glücklich, unbeeinträchtigt und ganz. Du bist das! Es ist nichts Persönliches! Es ist kein Kompliment, das ich dir gebe.
F: Könntest du das mit dem Theater des Bewusstseins wiederholen?
M: Nein. Ich kann es nicht wiederholen. Sei in diesem Augenblick hier aufmerksam, offen und gegenwärtig auf eine neutrale Art und Weise jedoch, ohne deiner Aufmerksamkeit zu erlauben abzuschweifen oder auf irgendetwas anderem zu landen. Ich lade dich ein, diese Position einzunehmen. Vertraue deinem intuitiven Hören. Es ist dein Verstand, der als wachsamer Suchender erscheint, nach Exaktheit sucht und folglich in einem Gefühl, etwas Wesentliches zu verpassen, gefangen ist. Das ist eine Art von Widerstand und Vermeidung. Mein Rat ist: Wenn du denkst etwas verpasst zu haben, lass es einfach los. Alles ist in diesem Augenblick in Ordnung. Das wirkliche “du” ist hier hinter allem, ein müheloses Beobachten. Du bist kein bestimmtes Gefühl. Gedanken und Emotionen kommen und gehen wie die Wellen, die an der Oberfläche des Meeres herumspielen. Lass alles von selbst kommen und gehen; das ist natürlich für Wellen. Ozean, Wasser, Wellen – alles das gleiche. Sei nur der Beobachter. Für das Bewusstsein kann nichts gewonnen oder verloren werden, nichts ist gut oder schlecht. Es ist die unbefleckte Grundlage, auf welcher die Schatten von Namen und Formen als scheinbare Existenz tanzen.
F: Aber Mooji, es ist doch sicherlich die Wachsamkeit, die richtiges Verstehen bewerkstelligt und somit Missverständnisse vermeidet, oder? Auch die vielen Schriften und Lehrer deuten auf die Wachsamkeit als eine notwendige Qualität oder Tugend für spirituelles Wachstum hin.
M: Das ist wahr, wenn es wirklich 'jemanden' gäbe, der einen Nutzen aus diesem Verstehen ziehen könnte. Wenn du jedoch diesen Jemand, diese Person oder Individualität, wirklich hinterfragst, kann er nicht gefunden werden. Alles ist nur Bewusstsein; das “du”, das ”ich”, das Sprechen, das Hören, Satsang, alle und alles. Alles ist Bewusstsein. Das ist die wunderbare Entdeckung! Bewusstsein unterhält sich mit sich selbst über Bewusstsein und durch Bewusstsein. Wie einfach! Und doch so verblüffend, wenn danach durch den Ego-Verstand gesucht wird. Siehe, ich deute dorthin, wo du bereits bist. Dein Verstand landete jedoch auf etwas anderem, woran er Interesse fand. Während du damit beschäftigt warst, daran festzuhalten, verpasst du alles andere; das ist das Spiel von Maya oder die kosmische Illusion.Wie jemand, der durch den Brixton Markt läuft und währenddessen ein Buch über exotische Früchte und Reggae-Musik hört! (Gelächter) Ein Zen Meister namens Bankei verglich es mit einem Mann, der auf See sein Schwert verlor und dann die Stelle an der Schiffsreiling kennzeichnete, an der es hinausfiel.(großes Gelächter)
F: Gerade jetzt, als du das sagtest, hat alles aufgehört. Ich kann nicht denken. Es gibt keine Gedanken (Hebt Hand zum Mund hoch). Das ist verblüffend!
M: Was sieht das alles?
F: Nichts...Ich.
M: Ich ,nichts, nimmt den anhaltenden Verstand wahr. Wenn der Verstand anhält, kann es dann immer noch Verstand genannt werden?
( Pause…)
M: Und nun?
F: Stille und Friede.
M: Für wen?
F: Hier...Für mich.
M: Für dich? Bist du sicher? Was, wo und wie bist 'du' genau in dem?
F: Nicht ich; nur Stille und tiefer Friede und ein wirkliches Gefühl an Dankbarkeit. Ist das richtig?
M: Sag du es mir.
F: Ja. Dankbarkeit, dieses so deutlich zu hören und zu sehen. Danke.
M: Gerne. Das Selbst dankt sich selbst. Wunderbar!
(Gelächter)
OM










